Hausgillen, Heimchen (Acheta domestica)

Aus Reptilien-Infos

Acheta domesticus (Heimchen)
Heimchen
Verbreitungsgebiet Südwestasien, Nordafrika, Europa (nur in Haushalten) Nordamerika
Größe: Männchen: ca 25 mm

Weibchen: ca 25 mm

Alter Ø: bis zu 1 Jahr

Inhaltsverzeichnis

Systematik

Klasse: Insekten Ordnung: Langfühlerschrecken (Ensifera) Familie: Echte Grillen (Gryllidae) Gattung: Acheta Art: Heimchen

Aussehen

Heimchen02.jpg

Beschreibung

Die bekannteste Art der Grillen sind wohl die Heimchen, oder auch "Hausgrille" genannt. Die Grund-farbe dieser Grillenart ist hellbraun und mit einer dunklen Zeichnung versehen. Auffällig sind die relativ kräftigen, hinteren Sprungbeine sowie die langen Fühler am Kopf. Acheta domesticus sind nachtaktiv und halten sich gern in menschlichen Haushalten auf. Hierbei wer-den feucht-warme, dunkle Nischen bevorzugt.

Geschlechtsunterschiede

Weibchen lassen sich leicht durch ihren auffälligen Legestachel vom Männchen unterscheiden. Desweiteren sind die Flügel der Männchen deutlich strukturiert.

Natürlicher Lebensraum

Wie bereits erwähnt, findet man Heimchen in Südwestasien, Nordafrika, Europa (nur in Haushalten) und Nordamerika in Wiesen und Steppen, an Straßen- und Wegrändern oder in Gärten. Wobei kalte und sehr heiße Landschaften hier ausgenommen werden

Terrarium

Die Größe kann nach eigenem Ermessen gewählt werden. Als Orientierung können die Maße 35 x 20 x 25 cm ( B x T x H) dienen. Als Größe für den Zuchtbehälter empfehlen Bruse et al. 50 x 50 x 40cm (vgl. Bruse et al. 2003, S. 24). Entscheidend ist die Höhe des Behälters, d.h. je Höher je besser, denn die Tiere sind gute Springer. Grundsätzlich sollten die Tieren nicht in den Heimchendosen verbleiben, denn so wird ihr Leben dras-tisch verkürzt. Der Deckel des Behälters sollte sehr luftdurchlässig sein. Es bieten sich Faunaboxen an.

Einrichtung

Als Bodengrund kann Kleintierstreu (Späne) dienen. Nach Bruse et. al ist kein Bodensubstrat notwen-dig (vgl. Bruse et al. 2003, S. 25ff.). Meine Erfahrungen jedoch zeigten, dass so der Boden schnell vom Kot der Tiere verschmutzt und sich die Grillen förmlich in ihrem eigenem Dreck tummeln. Die Späne fangen den Kot gut auf. Desweiteren sollten den Tieren viel Lauffläche und zugleich viele Verstecke geboten werden. Eier-pappen sind hier sehr dienlich und zweckmäßig da sie auch schnell ausgetauscht werden können. Dem menschlichen Augen kann natürlich auch eine hübschere Einrichtung geboten werden, wobei auf rauhe Oberflächen geachtet werden sollte, da die Heimchen keinen Halt an glatten Oberflächen haben. Eine Futterschale für Feuchtfutter sowie optional zusätzlich eine für Trockenfutter und eine Tränke sollten ebenso nicht fehlen. Als Tränke empfehlen Bruse et al. die üblichen Vogeltränken wobei der Bodenteil der Tränke mit Zellstoff oder Watte ausgelegt werden muss. Dies verhindert ein Ertrinken der Grillen. Es kann auch Watergel verwendet werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Weibchen ihre Eier in die Tränke legen sofern sich keine Eiablagebox im Behältnis befindet. Wichtig ist daher ein relativ regelmäßiges Austauschen der Watte.


Klima (Sommer/Winter)

  • Temperatur

Die idealen Temperaturen, besonders bei der Absicht züchten zu wollen, liegen bei 25 – 30°C (vgl. Bruse et al. 2003, S. 90). Nachts sollte die Temperatur ein wenig absinken.

  • Luftfeuchtigkeit

Eine Luftfeuchtigkeit von 65 – 75% ist optimal (vgl. E. und H. – G. Stute 2003). Der feucht gehaltene Eiablagebehälter (s.u.) reguliert diese automatisch.

Technik

Können die Temperaturen durch die normalen Zimmertemperaturen nicht verwirklicht werden, kann ein Heizkabel oder ein Strahler Abhilfe schaffen. Ich möchte jedoch anmerken, dass meine weiblichen Heimchen auch bei Temperaturen von ca. 22°C Eier abgelegt haben.

Futter

Nahrung

Heimchen sind Allesfresser. Wichtig ist vitaminreiches Futter wie Obst und Gemüse sowie Trockenfut-ter in Form von Haferflocken, Amaranth oder Fischfutter. Beim Fischfutter sollte auf tierische Eiweiße und Calcium geachtet werden, diese benötigen die Heimchen zur Eibildung. Wie bereits oben geschrieben kann auch eine Wassertränke angeboten werden. Wird jedoch genug Obst und Gemüse gegeben, reicht dies zur Wasserversorgung. Feuchtfutter sollte täglich gewechselt werden, da dieses schnell zu schimmeln beginnt und zu Seu-chen bei den Heimchen führen kann was mit einem baldigen Tot der Insekten verbunden ist.

Besonderheiten

Mit zunehmendem Alter und zunehmender Größe beginnen die Heimchen zu zirpen. Dies kann sowohl romantisch als auch nervraubend empfunden werden. Das Zirpen dient als Paarungsruf und wird durch das Reiben der Flügel verusacht. Desweiteren häuten auch Heimchen sich, die Tiere die sich gerade gehäutet haben sind wesentlich heller und weicher.

Gesetzliche Bestimmungen

Tipps und Tricks

Umsetzten

Wie bereits erwähnt sind hohe Behälter von Vorteil. Sollen die Heimchen als Futtertiere dienen ist die Handhabung mit folgenden Tipps recht einfach. Nach dem Kauf sollten die Heimchen alsbald in den größeren Behälter umgesetzt werden, dies kann relativ einfach wie folgt geschehen. Alle Ecken des Deckels der Heimchendose werden gelöst. Die Dose wird von oben in den Behälter gehalten und der Deckel wird abgenommen. Nun kann man ohne Hast und schnelle Bewegungen die Eierpappe nehmen und ins Behältnis legen. Ein Großteil der Heimchen befindet sich auf dieser. Die in der Dose verbliebenen Heimchen können reingekippt werden, wenn man dies behutsam anstellt, verbleibt der größte Teil des Kots in der Dose. Die Heimchen die den Weg nicht finden können schließlich mit der Pinzette umgesetzt werden. Allgemein ist zu erwähnen, dass die Heimchen nur dann springen, wenn sie Gefahr verspüren. Nach dem Umsetzen kann man beobachten, wie die Meisten zugleich Futter und Wasser bestürmen, nach ein paar Tagen sind sie wohlgenährt und können verfüttert werden.

Verfüttern

Hat man nur wenige Tiere kann man die Heimchen mit der Pinzette fangen und in die Dose mit dem Vitamin-/Calciumpräparat setzen. Dies kann dadurch vereinfacht werden, wenn die Grillen vorher „kalt gestellt“ werden. Sie werden dann lahm oder gar ohnmächtig und können problemlos aufgelesen wer-den. Hat man einen großen Teil an Reptilien zu versorgen, empfiehlt sich ein Behältnis mit einem Deckel der nur zur Hälfte geöffnet werden kann. Die Grillen können dann in einen Behälter gejagt werden, der im Heimchenbehälter liegt (vgl. Frankh 2008).

Entlaufende Tiere

Heimchen können schnell zur Plage werden. Ich habe daher in allen Zimmern stets Heimchenfallen (Klebefallen, leider etwas brutal aber wirksam) zu stehen in denen auch ständig Heimchen zu finden sind. Diese Fallen gibts es in Zoogeschäften oder Online-Shops für kleines Geld zu kaufen.

Reinigung

Der Bodengrund kann abschnittweise bei Feststellung großer Kotansammlungen ausgewechselt wer-den, und die Wände können mit einem feuchten Tuch gereinigt werden. Bei mir geschieht dies ca. einmal im Monat. Behutsames Vorgehen verhindert ständiges Rumhüpfen der Heimchen. Trotzdem empfiehlt es sich, dies entweder in freier Natur zu tun.

Kannibalismus

Die Heimchen neigen zu Kannibalismus. Man sollte also nicht allzu sehr erschrecken, wenn man ver-stümmelte oder gar tote Tiere findet. Abhilfe kann tierische Nahrung oder ein größerer Behälter schaf-fen. Generell sollten auch nur relativ gleich große Tiere in einem Behälter sein.

Zucht

Fortpflanzung

Nach ca. 50 Tagen sind die Heimchen adult und bereit zur Vermehrung. Die Männchen beginnen nun durch das Aneinanderreiben der Deckflügel die Weibchen durch das daraus entstehende Zirpen an-zulocken (vgl. Schroeer 2007).

Eiablage o.ä.

Um eine Eiablage zu gewährleisten, ist ein Ablagebehälter erforderlich. Hierfür eignet sich eine gerei-nigte Margarineschachtel, welche mit feuchter (nicht nasser!) Erde gefüllt ist. Diese wird mit grobma-schiger Gaze bespannt, sodass die Weibchen zwar ihre Eier ablegen können, jene aber nicht von den adulten Tieren gefressen werden können. D.h. der Kopf sollte nicht durch die Gaze passen. Nach ca. einer Woche wird der Eiablagebehälter in das Aufzuchtbehältnis überführt.

Inkubation/Zeitigung

Im Aufzuchtbehälter sollten Temperaturen um die 30°C herrschen, ist dies gegeben schlüpfen die Mik-roheimchen nach ca. 12 Tagen (vgl. Bruse et al. 2003, S. 34). Auch ist eine erhöhte Lufttemperatur notwendig, diese kann durch Nachfeuchten des Eiablagebehälters und durch Abdecken des Deckels des Aufzuchtbehälters erfolgen. Es sollte sich allerdings auch nicht zuviel Feuchtigkeit sammeln!

Aufzucht der Jungtiere

Wie erwähnt schlüpfen nach 10 – 12 Tagen die ersten Mikroheimchen, für Futter und Verstecke sollte natürlich gesorgt sein und die Luftfeuchtigkeit nach Abschluss der Schlupfphase wieder runtergesetzt werden. Die Jungtiere können nun Heranwachsen.

persönliche Erfahrungen

Von der Haltung von Heimchen als Futtertieren wird häufig abgeraten, da diese sehr wuselig sind und wie gesagt leicht zur Plage werden können. Eine Alternative bieten Steppengrillen, welche ruhiger sind. Ich habe bisher noch keine Plagen erlebt, aber bin auch noch nicht so lange dabei. Steppengrillen riechen meiner Meinung nach deutlich strenger als die relativ geruchslosen Heimchen weshalb ich daher noch nicht zu den Steppengrillen übergegangen bin.

Quellenangabe

Bruse, Frank; Meyer Michael; Schmidt, Wolfgang (2003). Futtertiere. Frankfurt a. M. : Chimaira Frankh (2008). Warum sterben die Heimchen dauernd? Online im Internet: URL: http://geckoz.de/showpost.php?p=49866&postcount=14

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